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Eine knappe Idee sei folgenden Seiten vorausgeschickt: nur vordergründig sind diese Überlegungen als eine reine Drogenabhandlung anzusehen - ihre Dimensionen sind mehrschichtig Gedacht, in höheren Potenzen angesiedelt.
So soll dies auch eine logische Abhandlung sein. Das Denken nämlich, wie phantasievoll beziehungsweise -los es immer sein mag, wurzelt auf festen Imperativen, die nach äusserst strengen Regeln der Kunst ausgelegt sind. Jede Missachtung dieser Regeln bedeutet im Sinn der Logik minderwertiges Denken. Das ist heutigen Politikern offensichtlich nicht bekannt, denn das Phänomen des minderwertigen Denkens ist besonders im politischen Leben erstaunlich oft zu beobachten; insbesondere, wenn die Politiker über Drogen `nachdenken`. Vor allem also hier, auf dem Gebiet des Drogen-Denkens, soll diese Schrift bestimmte Selbstverständlichkeiten hervorheben, deren Vernachlässigung als Armutszeugnis der Denkfähigkeit der Zeit aufgefasst werden muss. Das meint, die Schrift soll den Nachweis dafür erbringen, dass es auch heute noch - und nicht zuletzt in Bezug auf Drogen - möglich ist, folgerichtig zu denken.
Dazu sollen hier bestimmte politische Aspekte der modernen Demokratie berührt werden. Die Drogenpolitik ist äusserst sensibles - und sehr wirksames! - Instrument der Menschenlenkung. Da es sich um ein solches handelt, ist die Differenzierung der Ansichten über Drogen zwingend geboten. Totalität ist schon an sich und auf minderwichtige Aspekte der Politik angewendet grundsätzlich verwerfliche und schäbige Angelegenheit. Bei derart essentiellen Dingen jedoch wie Drogen, die mit dem sozialen Belange der Gesellschaft in enger metaphysischen Wechselwirkung stehen, bedeutet jede Ansichtstotalität im Endeffekt eine Katastrophe. Vor allem freilich in einer egalitären Demokratie, die, als pluralistische Gesellschaftsform an sich, durch singuläre Darstellung ihrer Teilaspekte in ihr Gegenteil - eigentlich wäre es angebrachter, von Karikatur zu reden - verwandelt wird. Im Klartext: wo alle Menschen gleich sind, da sollen nicht minder alle Meinungen gleich gelten. Und es darf, vielmehr es muss davon ausgegangen werden, dass es auch in Bezug auf Drogen mindestens zwei sich widersprechende Ausgangspositionen gibt.
In Bezug auf die vorherrschende, offizielle Meinung über Drogen, handeln diese Überlegungen auch von der Zensur. Meint: wo alle Menschen theoretisch die gleiche Verantwortung für die Gesellschaft tragen, ist es nicht nur erwünscht, dass jeder eigene Meinung pflegt, sondern auch geboten, dass jeder über andere Meinungen informiert wird. Wo dieses Recht auf Information mittels Unterdrückung bestimmter Darstellungen bestimmter Themen verletzt wird, da darf man von Zensur reden. Wenn es um das Thema Drogen geht, ist die heutige Zensur dermassen lückenlos, dass sich in der Geschichte, abgesehen von den gewissen Themen während des 3. Reiches und den christlichen Dogmen des Mittelalters, nur schwer entsprechende Parallelen finden.
Auch die Frage der Menschlichkeit ist in den folgenden Auslegungen angesprochen. Die Toleranz (von der man heutzutage so viel palavert) hin; die Humanität (die zum höchsten Postulat des Zeitalters erhoben scheint) her - solche lichte Ideale werden zu einer Parodie ihrer selbst, sobald in ihren Namen grundsätzlich intolerante und inhumane Handlungen begangen werden.
Nicht zuletzt beschäftigt sich die Schrift mit der Zukunft der Menschheit, die auch etwas, die sehr viel mit Drogen zu tun hat. Diese, die Zukunft, stellt sich heute nicht nur formal, sondern auch inhaltlich einzig noch in Form eines Fragezeichens dar. Hier soll nun untersucht werden, in wie fern diese unerfreuliche Tatsache mit der gegenwärtigen Drogenpolitik zu verbinden ist.
Noch ein Wort über den Stil der Schrift. Ich habe hier nicht vor, irgendwelche Drogen zu verteidigen; ich habe mir zur Aufgabe gestellt, im Sinn der Drogen anzugreifen, also die Verfolgung der Drogen anzuprangern. Mit einer lauen, auf Kompromisse bedachten Sprache wäre dies kaum möglich gewesen. Dazu noch beanspruche ich - wie das in einer Demokratie üblich sein sollte - die gleichen Rechte wie die Drogengegner. Das meint: genauso wie die emotionsvolle, leidenschaftliche Anklage der Drogen zugelassen ist, soll auch ihre leidenschaftliche Fürsprache zugelassen sein. Um so eher, wenn diese - anders als die Anklage - nicht auf Emotionen, sondern auf Kompetenz aufgebaut ist. Und schliesslich: wo etwas dermassen tabuisiert, mystifiziert und dogmatisiert wird, wie heutzutage bestimmte Drogen, da hilft einzig noch kontrastreiche Darstellung von extrem gegenpoligen Argumenten, um überhaupt ein Bewusstsein für die Natur des Problems zu erzeugen.
Da hilft nur noch der Hammer! würde Nietzsche sagen.
Und noch eine Anmerkung: Meiste dieser Texte sind im Jahren 1989-91 entstanden, vielleicht stimmen die einzelnen Zahlen oder auch Darstellungen nicht mehr – auch die Drogenpolitik ist sehr wandelbar: im Grossen und Ganzen aber sind diese Ausführungen auch heute nicht zu widerlegen. Das heisst: heute weniger denn je!
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