|
No future?
Die Zukunft ist das Stichwort. Um die Zukunft geht es, denn für nichts sonst lebt der Mensch und jede andere Kreatur, als um die Welt für seine Nachkommen vorzubereiten; meint, um die Kontinuität der vorwärtsdrängenden Schöpfungsbewegung abzusichern. “Wir sind gewissermassen dazu da, damit die Zukunft stattfinden kann.” behauptet Hoimar von Ditfurth... Um die Zukunft geht es also, und um die ist es bekanntlich extrem schlecht bestellt. Für uns kaum ein Grund zur Freude.
Der Hauptgrund unserer no-future-Aussichten besteht darin, dass der menschliche Geist von der Technik überrollt, ja geradezu aufgerieben wurde, und sie somit nicht mehr unter Kontrolle zu behalten vermag. “Die heutige Gesellschaft...” - noch mal Hoimar von Ditfurth – “... hat die zivilisatorische Systeme eines Komplexitätgrades hervorzubringen begonnen, der das analytische Vermögen der uns eigenen Denkstrukturen hoffnungslos übersteigt.” Im Klartext: wir haben es einfach verpasst, den Geist den hochtechnisierten Standards einer kybernetischen, das heisst vieldimensionalen Welt anzupassen*. (Die Drogenprohibiton ist ein bezeichnendes Beispiel dafür: obwohl hochtechnisiert, denken wir immer noch in der Logik des Mittelalters und verfolgen bestialisch alles anders denkende.)
*Nebenbei bemerkt: wir dürfen diesmal nicht einmal behaupten, wir haben es nicht besser gewusst! Denn bereits vor mehr als 100 Jahren versuchte Nietzsche (wohl durch exzessiven Drogenverbrauch prophetisch konditioniert, die Richtung der Bewegung zu erkennen) uns in diesem Sinn wachzurütteln, uns zum Grossen Geist zu führen.
Die, gelinde gesagt, unangenehme Konsequenz, die im obigen Problem beinhaltet ist, bedarf einiger Erklärung. Es steht fest: einfache Logik genügt den Erfordernissen einer kybernetischen Gesellschaft in keinerlei Weise. Die Denkmittel, die vor Tausenden von Jahren mit dem Leben glänzend zurechtgekommen sind, bekommen die Probleme von heute - die von morgen wollen wir lieber nicht einmal erwähnen - nicht in den Griff. Ein effektiveres Denken wäre uns dringendst angeraten.
Vom Denken als Zeitgeist
Die Effizienz des Denkens definieren wir hier ad hoc als die geistige Fähigkeit, Sachzwänge zu neutralisieren. Da die Sachzwänge mit welchen sich ein High-Tech-Wesen - dessen Praxis sich in der infinitesimalen Dimension der Quanten genauso zu bewähren hat, wie in der Unendlichkeit der Relativität - herumschlagen muss, um einiges komplizierter sind als die des Neandertalers, des Renaissancemenschen oder auch die des Industriearbeiters, müssten auch seine Denkfähigkeiten entsprechende Strukturen nachbilden können.
An sich lernte die Menschheit bereits einige Male, ein neues Denken zu praktizieren. Doch diese Eroberungen der neuen Denkebenen gingen verhältnismässig einfach voran: jeder neue Denkschritt bedeutete bisher eben eine neue Denkebene, keinesfalls eine neue Denkstruktur. Von dem antiken Denken zur Scholastik, von der zur Renaissance, von der zur Aufklärung... bei jedem Denkübergang ginge es ausschliesslich um eine quantitative Bereicherung des Cogito. Der Logos, der hinter allem steckte, blieb eindeutig derselbe. Besonders tiefsinnig ist das am Beispiel des Feuers zu erläutern, dessen Logik (= Kontrolle) vom Urmenschen bis Watt nur insoweit komplizierter wurde, als sich die schlichte Quantität der Feuerstelle eines Stammes zu der eines E-Werkes veränderte.
Mit der ersten Atomkettenreaktion änderte sich aber die Lage grundlegend. Das Atomfeuer unterscheidet sich von einer Grossfeuerungsanlage nicht nur in der quantitativen Steigerung der Kcal-Ausbeute. Auch - und vor allem! - erfuhr die Qualität des Feuers, das man nun zu kontrollieren hat, entscheidende Veränderung. Im Vergleich mit dem herkömmlichen Feuer weist das des Atoms substantielle Unterschiede auf, das es in die, für die Logik des konventionellen Feuers unfassbare, absolut abstrakte Räume verlegen. Wie sehr unseres Denken in diesem Dimensionen versagt, verdeutlicht unsere Sprache: der Hochleistungsphysik fehlen die Begriffe, um jene Vorgänge zu verdeutlichen, und sie greift nach den Abstraktionen der Formeln und Symbolen. Mit der Nutzbarmachung der Mikrosphäre der Schöpfung mischte sich der Mensch in die Geschäfte ein, die eigentlich einem Demiurgos anstehen: menschliches Tun weist semigöttliche Qualitäten auf. Sein Tun, wie gesagt. Mit seinen geistigen Qualitäten sieht es weniger göttlich aus. Die Qualität seines Feuers hat sich verändert, nicht aber seine Logik, die das unvergleichbar komplizierte Feuer beherrschen sollte. Und da der Geist des Atoms der Logik des konventionellen Feuers hoffnungslos überlegen ist, kommt es zu verschiedensten Widersprüchen zwischen Theorie und Praxis. Darum entspringt das lustvolle Unbehagen, mit dem wir in der Sache Hightech mitmachen, der Ahnung, dass die Geister, die wir bedenkenlos leichtsinnig losgelassen haben, nicht so ohne weiteres zurück in die Flasche, das heisst unter Kontrolle zu bringen sind.
Der Mensch ist in etwa in der Lage jenes Hundes, der in einem Homevideo zu sehen war, wie er mit einem Luftballon spielte. Irgendwann ging der Ballon kaputt, und der Hund stand dann aber ganz schön blöde herum, das Tier war wirklich überrascht - seine `Logik` `beherrschte` jene Situation nicht; es war unfähig zu verstehen, was da passierte und warum ein deutlich präsenter Gegenstand so urplötzlich verschwinden konnte. Da muss einfach irgendwelche Schwarze Magie im Spiel sein, denkt sich so ein Hund ratlos, und wettet mit sich selbst, dass da eine schwarze Katze oder sogar der grosse Wauwau-Gott selbst die Pfoten im Spiel hatte. Sein überlegener Herrchen jedoch, der vielleicht sogar die Abitur hat, kann das Verschwinden des Ballons ohne weiteres und flüssig erklären - sein Verstand beherrscht somit jene Situation einwandfrei, sie kann ihm nicht gefährlich werden, er wird von dem Verschwinden nie so überrascht, dass er vor Schrecken aus dem Fenster springt und sich alle Beine, möglicherweise sogar den Hals bricht; eine Gefahr, in der der Hund unbestritten schwebte.
Nun sind wir angesichts unserer Atomkraftanlagen, chemischen, molekularen und genetischen Manipulationen und ähnlichen Spielereien, eben in der Situation des Hundes vor dem Luftballon. Wir wissen nicht, was da vor unseren Augen passiert, nicht einmal unsere Wissenschaftler wissen es, auch sie können die Hintergründe nicht erklären, wie und warum es, z. B., zur Atomspaltung kommt, oder wie die Genen tatsächlich ihre Infos weitergeben.
Die Hochtechnik stellte die Menschheit somit vor eine noch nie dagewesene Prüfung. Die Grundstrukturen der Gesellschaft sind archaisch, sind Jahrtausende alt, was bedeutet, sie sind den damaligen Verhältnissen, jenem antiquierten Denken und der uralten, vielfach tabuisierten Moral angepasst. Ihre Soziologie hat mit heutigen technologischen Vorgaben absolut nichts Gemeinsames mehr - es sei denn in den Fantasmagorien der Politik und im Wünschdenken der Massen. Diese Strukturen sind rein mechanisch aufgebaut; sie vermögen die neuen, infinitesimalen und relativen Dimensionen, in welchen sich die überlebenswichtigen Entscheidungen der Gesellschaft zunehmend abspielen, weder zu erschliessen und zu begreifen, noch sie zu harmonisieren und konsequent anzuwenden - hier beispielhaft die Angst, die man gegen der Atomenergie empfindet. Bereits aus dem Grund stellt die Umstrukturierung der Gesellschaft eine auf Leben und Tod wichtige Angelegenheit dar. Und sie, die Gesellschaft, sie wird umstrukturiert - ob sie diese Notwendigkeit erkennt oder nicht, ob sie es will oder nicht, ob sie dabei zugrunde geht oder bestehen bleibt. Die Evolution nimmt bekanntlich weder auf die Gewohnheiten der Menschen irgendwelche Rücksicht, noch auf die Machtgelüste der Obrigkeit. Falls die Gesellschaft jedoch zwecks dieser Umstrukturierung keine bewusste Schritte einleitet, wird sie sich eines Tages - dann natürlich automatisch, blindlings und unvorbereitet, wie alle gestrigen Gesellschaften eben - in einer Umwandlungssituation wieder finden, die der Menschheit kaum eine Chance lassen würde, weil ihre `Qualitäten` mit dem Begriff Apokalypse nur allzu adäquat beschrieben wären. Darum wäre es nur ratsam, diese Umstrukturierung bewusst zu initiieren, ihre Anfangsabläufe bewusst zu bedingen, damit ihre späteren Schritte mit keiner allzu heftigen Plötzlichkeit ablaufen. (Damit ist natürlich keinesfalls gemeint, dass man neue Gesellschaftsstrukturen planen soll, so wie das etwa Marx tat. Ein vorgeplantes Szenario lässt keinen Spielraum für spontane Auswüchse und Verästelungen, die wohl die wichtigste Faktoren der Mutation und somit der Evolution selbst sind.)
Um solch ein gigantisches Vorhaben auszuführen, das in seiner Kompliziertheit alles bisher dagewesene um Potenzen übersteigt, sind aber heutige Geistesmöglichkeiten, die noch vielfach an Religion und sonstigem Aberglauben, an Mystifikationen, Vorurteilen, Lügen und Heuchelei gebunden sind, also an das, was man mit seltener Instinktlosigkeit `Ethik` nennt, schlichtweg unzureichend. Vor allem reicht die Grundlage des Geistes, die Phantasie, weder vorne noch hinten aus, um sich neue gesellschaftliche Gerüste auch nur annähernd vorzustellen, von der Einleitung der dafür notwendigen Schritte ganz zu schweigen. In der Konsequenz bedeutet dies: eine neue geistige Auffassung von der Welt, von dem Mensch, von der Gesellschaft... muss her.
Das heisst, auch im Geiste sollen wir eine atomistisch-relative Weltvorstellung beherrschen lernen; heisst, wir brauchen die geistige Version der technisch bereits vollzogenen Quanten- und Relativitätstheorie. Eine Formel haben wir sozusagen nötig, die mit der Einsteinschen Knappheit die geistigen Korrelate der Welt genauso zu durchschauen/nachvollziehen vermag, wie jene die physikalischen.
Illustrativ gesprochen steht das Denken heute vor ungefähr der gleichen Aufgabe, vor der einst die Musik stand. Sie wandelte sich während des Mittelalters von linear-einstimmiger Melodie zur polyphonen Harmonie. Erst diese Umwandlung ermöglichte ihre wuchernde Formen und ihr ausschliessliches Wesen, also das, was Schopenhauer mit “... Nachbild eines Vorbildes, welches selbst nie unmittelbar vorgestellt werden kann.” beschreibt. Auch das Denken, so perfekt es ist, beziehungsweise es sein kann, wird die Welt nie unmittelbar erfassen können. Es ist ja auch keine `natürliche`, sondern (wie gesagt, wohl unter dem Einfluss der Drogen erzeugte) synthetische Reflexion der Natur; seine scheinbare Apriorität ist nur ein Kunstgriff der Phantasie, die dadurch jene Paradoxität der Welt zu überspielen sucht, die allem zugrunde liegt - mit irgendwelcher Wirklichkeit hat das Denken herzlich wenig zu tun. Es erschafft seine, den menschlichen Notwendigkeiten angepasste `Wirklich?keit`, die genauso wie sie erschaffen wurde, auch verändert, teilweise oder ganzheitlich ausgetauscht, ja gar vollkommen neu kreiert werden kann. (Aktuelles Beispiel hierfür wäre die Chaos-Forschung, die sich anstelle der Kausalität, die heute allem Denken zugrunde liegt, nur mit der Komplexität konfrontiert sieht, die, übrigens, auch in der Hochleistungsphysik jegliche Kausalität verdrängt hat.) Vor dieser Neuerschaffung, die den atomistisch-relativ ausgelegten Nezessitäten der Menschheit angepasst sein muss, steht der Geist heute. So wie die Musik - auch eine rein synthetische Angelegenheit - die an sich unfassbare Harmonie des Universums nachbildet, sollte das Denken die - paradoxe, komplexe, unmögliche Logik der Schöpfung auf einem neuen, höheren Niveau wiedergeben.
Als Resümee: die Zukunft verlangt von uns geradezu Unmögliches - wir sollen hexapodale Überlebensfähigkeiten entwickeln. Das kann uns einzig unter der Aufgabe des uns eigenen linearen, binären Kausalitätsdenkens gelingen und durch Konstruktion eines exponentiellen Mehrschichtdenkens. Ein neues Denken ist zu einer existentiellen To-be-or-not-to-be-Frage der Menschheit geworden.
Das Neue Denken
Man darf hier an Herrn Gorbatschow erinnern und seine eindringliche Appelle für eine Revolution des Denkens. Obwohl ich bezweifle, dass er damit das gleiche meinte wie ich, erkannte er wenigstens die Unzulänglichkeit des herkömmlichen Denkens.
Möglicherweise bemerkte er sogar, dass die göttlich-ungewöhnlichen Kinder, entwachsen aus der Heirat des hochgezüchteten europäischen Geistes mit der amerikanischen Pöbeldemokratie - einer Mesalliance, vor deren Folgen Nietzsche so eindringlich und genauso vergeblich warnte -, nun uns über den Kopf wachsen und zu richtigen Monstern zu werden drohen. Denn es ist freilich nicht so, dass wir einfach die Kontrolle verloren haben und damit hat es sich. Es ist viel schlimmer! Die Phänomene, die sich unserer Kontrolle entziehen, müssen sich zwangsläufig gegen uns wenden. Sie wirken nicht mehr nach unseren Wünschen, also wirken sie bereits damit gegen uns. Als Beispiel hierfür eine feinsinnige Beobachtung von Konrad Lorenz, die sowohl von seiner Ratlosigkeit zeugt, wie auch von der Angst eines Sehenden von einer, sozusagen entarteten, Zukunft. Er schrieb: “Alle Gaben, die dem Menschen aus seiner tiefen Einsichten in die umgebende Natur entwachsen, die Fortschritte seiner chemischen und medizinischen Wissenschaften, alles was dazu angetan scheint, menschliche Leiden zu mindern, wirkt sich in entsetzlicher und paradoxer Weise zum Verderben der Menschheit aus.”
Die Philosophie entdeckte schon längst die Notwendigkeit eines neuen Denkens, vielmehr einer neuen Version des geistigen Weltbildes. Bereits das Werk Schopenhauers lässt sich reduktiv auf eine knappe Formel bringen: Wir werden langsam neues Denken benötigen. Das alte reicht nun nicht mehr aus. Und schon Marx suchte nach der Formel für effektiveres Denken; er glaubte, es durch die Praxis zu erschaffen - eine vergebliche Mühe: es geht ja um die reinste Theorie... Unter vielen anderen bastelte auch Wittgenstein, brüterisch und eigenbrötlerisch, an einem neuen Denken. Doch wollte er den Teufel mit Beelzebub austreiben und baute dabei auf die Mathematik auf, was keine Spur einer Chance auf Erfolg hatte: die Mathematik ist DIE Logik; eine Überlogik wäre keine Mathematik mehr. So sehr nämlich die Mathematik in einer bipolaren, dreidimensionalen Welt ihren Sinn hat, so verliert sie diesen, sobald sie sich mit den Tatsachen der übergeordneten, mehrschichtigen, sozusagen paradoxen Welt konfrontiert sieht - dieser paradoxen Welt ist einzig mit einer paradoxen Logik beizukommen. Mathematik ist ausserstande, ein Paradoxon überhaupt zu erfassen, geschweige denn, ihn zu bewältigen.
So ist das neue Denken immer noch der weisse Fleck in der Geographie unseres Hirns. Das ist wortwörtlich gemeint, denn in unserem Denkapparat gibt es eine Quasi-Anomalie: der grösste Teil des Vorderhirns ist ins Denksystem überhaupt nicht einbezogen. Hoimar von Ditfurths Ansicht nach sind diese Hirngebiete für die zukünftigen Denkaufgaben reserviert. Wie wir das Denken auf diese `umschalten` können, wissen wir nicht; dazu brauchen wir eben `die Formel`, die wir noch nicht haben. So sehr nämlich Kant bemüht war, das Denken, die reine Metaphysik des Denkens auf eine metalogische Formel zu bringen, gelang ihm dies nicht - mag sein, weil zu seiner Zeit noch nicht genug reines Wissens vorhanden war. So enthüllten uns weder sein voluminöses Werk noch die Schopenhauersche minuziöse Inventur des klassischen, sozusagen bereits toten, Denkens, weder Marxsche Irr- und Umwege über neue soziale Strukturen, noch die formallogische Präzision Wittgensteins die Geheimnis des Zugangs zu einem neuen Denken.
Möglicherweise ist die Sache aber einfacher, als wir das wahrhaben wollen – Nietzsche vorexerzierte es mühelos, wie man es macht. Eine kurze, grobe Analyse der Denktechnik, zeigt das Denken als verhältnismässig simple Angelegenheit. Der Geist, das heisst das menschliche - abstrakte - Denken, entsteht infolge von `Fehlschaltungen` im Gehirn. Als fehl sind diese Gehirnstromkreise insofern zu bezeichnen, weil sie nicht direkt auf die Praxis, das heisst auf reine Überlebenszwecken ausgerichtet sind, wie dies der Fall beim `Denken` eines Tieres ist. Diese `Denkdeffekte`, die an sich nichts anderes darstellen als Verknüpfung von mehreren `praktischen Gehirnschaltkreisen`, sowie ihrem Vergleich und Analyse, gehen über das unmittelbar Notwendige hinaus, bedeuten dadurch sogar eine Behinderung der `normalen` Gehirnbetriebes, der auf das rein Praktische ausgerichtet ist. Von Schamanen bis zu Philosophen (die der ganzen Angelegenheit dann selbstständige Kontinuität gaben) waren neue Denkimpulse einfach `ungewöhnliche Schaltungen` innerhalb alten Gehirnverbindungen; die Phantasie spielte der instinktiven Denkschemata, der Gewohnheit, einen Streich und erfand - erfand keinesfalls entdeckte - neue Ideen – Nietzsche vorexerzierte uns dies wie gesagt überdeutlich: sein Denken ist absolut richtig, weil es so absolut aussergewöhnlich ist.
Die Rolle der Drogen
Bedenkt man nun, dass Drogen eben dieses `abnormale`, meint auf der Einbildungskraft basierte, Denken anregen, wird sowohl die Rolle deutlich, welche die Drogen in der Entstehung dieses `unpraktischen` Denkens gespielt haben, wie auch die, die sie bei weiteren Expansion des Denkens noch spielen sollen. Von der ersten bewussten Erfindung bis zur Erfindung des Unbewussten - die Dialektik der Vorstellung als Entwicklung der Erkenntnis hatte einwandfrei einen phantastischen (= halluzinogenen) Hintergrund; warum sollte das nicht auch weiter gelten? Wenn uns bereits das Wecken des Bewusstseins dem Drogen sei Dank gelang, wird auch die Potenzierung des Geistes mit Hilfe von Drogen zu bewerkstelligen sein. So, wie uns unter unbewusster Zuhilfenahme der Drogen der kolossale Sprung vom Tier zur Ratio gelang, wird uns durch die bewusste Ausbeutung der Drogen der Schritt gelingen, den wir Rezerebralisation nennen dürfen, womit die Inbetriebnahme jener, noch unbenutzten Gehirnregionen gemeint ist. Aus meiner reichen Erfahrung mit den halluzinogenen Drogen schöpfend, würde ich sagen: das Grosshirn muss es irgendwie schaffen, das Klein- und Stammhirn unter Kontrolle zu bringen. Das ist keine reine Spekulation, auch Nietzsches Überlegungen gingen in diese Richtung; eine analytische Definition seines Willensbegriffes entführt uns geradewegs in die Dimensionen der Selbstbeherrschung. Aber bereits bei Novalis, ja schon bei Bruno findet man die ersten zarten Keime dieser Erkenntnis.
Wie uns die Drogen dabei helfen können, lasse sich am besten am Beispiel LSD verdeutlichen.
Bereits die ersten Experimente mit dem LSD haben uns auf die - inzwischen auch von der Wissenschaft akzeptierte - Tatsache aufmerksam gemacht, dass es im Hirn gewisse Mechanismen gibt, welche die Sinneseindrucke auf ein Mass reduzieren, das aus der physiologischen Sicht für ein Organismus vertretbar ist. Für ein unbestimmtes Wesen wie der frühere Mensch war das sicher eine sinnvolle Einrichtung: schon infolge des, sowohl qualitativ wie auch quantitativ minderwertigen, unvollkommenen Verständnisses seiner Umwelt, war seine Selbstsicherheit nicht allzu ausgeprägt. Für den heutigen Menschen jedoch, der auf Umwegen über die Transtechnik in die Transzendenz der Dinge vorgedrungen ist, sind diese `Realitätsfilter` zweifach unerwünscht. Einmal, weil die überwundenen Ansichten über die Strukturen in die er eingebettet ist, sehr wohl ein Mehr an der Information ertragen, und dann noch, weil er zwecks Überlebens - Über-Lebens sollte es korrekterweise heissen - in dieser, an sich feindlichen (da aus Mangel an Erkenntnissen über ihr miss-, beziehungsweise unverstandenen) Umgebung, auf dieses Mehr an der Information dringend angewiesen ist.
Nun entstammt die Erkenntnis, dass es im Hirn jene Sinnessperren gibt, der Tatsache, dass LSD diese Sperren aufhebt, und den Hirnkomplex mit neuen Reizen überflutet. Das bedeutet weiter: aus einer Unzahl von Experimenten und Erfahrungen mit dem LSD wird sich früher oder später nicht nur eine neue Erkenntnis über die Welt herauskristallisieren, die jenseits jener Sinnessperren existiert; darüber noch hinaus werden die gleichen Sperren rein physiologisch aufgehoben. Das heisst, irgendwann einmal wird jeder Mensch auch ohne Droge heute noch unvorstellbare Sinneseindrucke empfangen können, was ihn dann in seinen Erkenntnistechniken von dem heutigen Menschen in etwa derart drastisch unterscheiden wird, wie sich der von dem Neandertaler unterscheidet, dieser von Homo Erectus, der von Australopythecus und der wiederum von `gewöhnlichen` Affen.
Was aber noch viel interessanter ist: die Rolle, die Drogen im Wecken des Neuen Bewusstseins spielen, ist mühelos und einwandfrei nachweisbar.
Erinnern wir uns! Der endgültige Durchbruch bei der Potenzierung des technologischen Wissens vollzog sich inmitten dieses Jahrhunderts, gerade zum Zeitpunkt, als sich die Menschheit plötzlich und überraschend, quasi `über die Nacht`, auch mit dem sogenannten `Drogenproblem` konfrontiert sah, mit dem Phänomen des Massengebrauchs der Drogen. Bis zu dem Zeitpunkt, bis in frühe 60. Jahre waren Drogen eher ein sporadisches, nebensächliche Erscheinung. Bis da ging auch die Menschheit ziemlich ahnungslos voran - und in die Katastrophe. Kaum jemanden fiel auf, dass wir mit der fortschreitender Hochtechnisierung und damit verbundenem Überpopulationsproblem auch unsere Umwelt vernichten, damit den Ast absägen, auf dem wir sitzen. Dann wurden die Drogen plötzlich populär, und dann gab es bereits auch die, eben durch Drogen aufgepowerte, Studentenbewegung, und die machte den Menschen die Augen auf. Sobald die psychodelischen Drogen in das politisch-soziale Leben en masse getreten sind, haben sie das Bewusstsein für die mannigfaltige Problematik der Postmoderne geschaffen; erst die Halluzinogene haben die Menschheit im Sinn der Ökologie wachgerüttelt - heutiges Umweltbewusstsein ist das direkte Resultat der Wirkung von Haschisch und LSD. Desgleichen auch die, von den gleichen, drogenbedingten Kreisen inspirierte antiautoritäre Erziehung, die dazu gut sein wird, die Umstrukturierung der sozialen Hierarchie zu bewirken.
Hier wäre die Spekulation erlaubt, dass die heutige enorme Drogenpopularität, der unbestrittene Boom der Drogen, nicht so sehr ein Symptom der Massenflucht von der Wirklichkeit sein muss, nicht unbedingt, meine ich. Mehr wirkt das Ganze als ein Affekt des Selbsterhaltungstriebes, als rein instinktive - besser: intuitive - Reaktion des kollektiven Unbewussten auf die Vormachtstellung der Technologie. Die Spontaneität, mit dem sich die Menschen den Drogen zuwenden, ist charakteristisch, und bereits das deutet hier an, dass es sich um eine, nach einem bestimmten Instinktziel gerichtete, also angeborene Verhaltensweise handelt. Als ahnen die Menschen, dass wir uns des klassischen, anthropozentrischen Denkens befreien müssen, wie auch, dass wir das nur mit Hilfe der Drogen schaffen können, als fühlen sie das Gleiche, was auch Kleist gefühlt haben mag, als er den bedeutungsvollen Satz schrieb: “Adam muss zum zweiten Mal vom Baum der Erkenntnis essen.”
In der Kunst wird diese Ahnung von der wahren Rolle der Droge immer wieder und zunehmend deutlicher artikuliert. Im neuseeländischen Film `Good bye, Pork Pie` ist eine kleine, fast belanglose Szene zu sehen, die aber von brennender Aktualität sein dürfte. Da rauchen zwei Männer Haschisch und einer erklärt dabei, wie die Wasserstoffbombe zur Explosion gebracht wird. Als ihr Zünder dient eine Atombombe, die ihrerseits durch eine konventionelle Bombe gezündet wird. Und der Zünder dieser, meint der Mann und hebt den Joint hoch, braucht nicht grösser zu sein, als das hier. Die Wasserstoffbombe des Geistes, vermittelt uns diese Szene, wird durch den Joint gezündet; die Potenzierung des Denkens erfolgt durch Drogen.
Die Gefährlichkeit des BTMG
Aus dieser Sicht bedeutet das BtM-Gesetz mehr als eine skandalöse Einmischung in die Privatsphäre und Unmündigkeitserklärung extrem mündiger (= denkfähiger) Individuen. Es ist gleichzeitig eine beispiellose Kulturbarbarei und Hemmschuh des geistigen Fortschritts, Klotz an dem geistigen Bein der Gesellschaft und schwere Behinderung der Denkentwicklung: das Verbot der Drogen kommt dem Verbot des Denkens gleich. Dass aber die Drogenprohibition die Menschheit ernsthaften Gefahren aussetzt, ist einer Aussage Arnold J. Toynbee zu entnehmen: “Es ist eine Angelegenheit von Leben und Tod für jede Gesellschaft, ob sie genug Freiraum zur Ausbildung schöpferischen Fähigkeiten gibt.”
Nicht also nur die rein ethische Gründe oder die Grausamkeit des Systems, das in seinen verinnerlichten Normen und Konventionen verharrt, ohne auf die jeweilige spezifischen Umstände zu reflektieren, sprechen für eine sofortige, uneingeschränkte Legalisierung der Drogen. Vielleicht sind da noch nicht einmal jene schweren formaljuristische Bedenken von Bedeutung, die Dr. Kaschkat und Meyer in ihrem Gutachten äussern, wo sie dem BtMG `unheilbare legislativtechnische Fehler` nachweisen. Allein schon die Notwendigkeit des Überlebens der Idee Mensch drängt uns dazu, mit der Drogenfreigabe neue Wege zu erschliessen. Keinesfalls dürfen wir die simple Tatsache aus den Augen verlieren, dass der pragmatische Politiker seinem Wesen nach ein apollinischer Mensch ist und sich als solcher mit der Arbeitsdroge Alkohol zufrieden geben kann; die träumende Visionäre jedoch, die die Menschheit vorwärts - tatsächlich vorwärts, meine ich - gebracht haben, die waren und sind so gut wie ausnahmslos dionysische `Phantasten`, und solche brauchen ihre, visionäre Drogen.
In der Situation in der sich die Menschheit befindet, darf man ohnehin weder besonders wählerisch noch stur sein. Wir haben nämlich nicht fünf vor zwölf, wie das irrigerweise angenommen wird; bei uns ist es bereits Viertel nach. Mindestens! Das ist nicht allein meine subjektive Meinung, das ist Überzeugung vieler, weitsichtig denkender Geister - von Lorenz bis Skinner wären da einige zu nennen. “Die Katastrophe hat bereits stattgefunden.” meint etwa Baudrillard und die Quintessenz aus dem Hoimar von Ditfurths Buch `So lässt uns denn ein Apfelbäumchen pflanzen`, lässt sich bequem in einem einzigen knappen Satz unterbringen: liebe Leute, meint er da, uns bleibt nichts anderes übrig, als sehr, sehr tapfer zu sein... Bildlich gesprochen befindet sich die menschliche Gesellschaft in der Lage eines Ertrinkenden. Und der ist bekanntlich darauf angewiesen, nach jedem Strohhalm zu greifen. Wo sich uns also nur ein Hauch einer Chance bietet, einen Ausweg aus unserer prekären Situation zu finden, sollten wir vernünftigerweise nicht zögern. Mögen die Aussichten noch so phantastisch und minimal anmuten... Wie sagte auch ein Wissenschaftler bei der Welt-Klima-Konferenz in Genf: “Lieber eine Massnahme zu viel als eine zu wenig.”
Nicht einmal die zu erwartenden Opfer dürften uns vor der Drogenemanzipation abschrecken. Zunächst einmal wird der Mensch von den Philosophen, Biologen und Verhaltensforschern ohnehin als `riskiertes Wesen` angesehen, das heisst, seine Entwicklung ist keinesfalls eine sichere Sache; sie ist nur dank der Opfer möglich und gewährleistet. Andre Varagnae behauptet gar, dass “... jede Neuerung die Gefahr des Todes aller...” in sich birgt. Und es reicht dem Menschen zu Ehren, dass er sich immer freudig geopfert hat, ja freudig opfern liess. Also werden nicht minder hier viele bereit sein, sich zu opfern - viele haben es bereits getan, so wie Poe, Nietzsche, Fassbinder... Nur drei Namen von vielen... Es geht immerhin ums Überleben der Art, was eine weitaus opferungswerte Angelegenheit ist, als jene pathetischen Schäbigkeiten wie Gott und Vaterland, für die wir uns schon so vergeblich oft her- und hingegeben haben... Ja, der Staat eben, der opfert Menschenleben ausgesprochen gerne, und verkauft die Opfer als höheres Zweck und Staatsräson - und niemand findet etwas dabei und keiner beschimpft die Politiker als Mörder.
Ausserdem akzeptiert die Gesellschaft ohne mit dem Wimpern zu zücken auch Millionen von Alkohol- und Nikotintoten. Oder wie ist das mit den Opfern, die wir der Technik bringen? Sehen wir uns nur das Auto en, das - von schwersten Umweltschäden, die es verursacht, einmal ganz abgesehen - gewiss nicht wenige Menschenleben fordert. Und trotzdem kommt niemand auf die schrullige Idee, es zu verbieten, es mit bösem Bann und mit Fluch zu belegen. Warum auch? Wir haben von ihm unbestreitbaren Nutzen - vorwiegend materiellen... Oder die famose Bombe, die erste transtechnische Erfindung der Menschheit. Wie viele Opfer hat sie uns abverlangt?! Von den Curies, die die Erforschung des Stoffes aus dem die Bombe ist mit ihrem Leben bezahlen mussten, über jene amerikanische (und sowjetische und chinesische) Soldaten, die man bei den Atomtests als Versuchskaninchen opferte (nur in Amerika ist die Rede von einer knappen Million Menschen!) und unzähligen Technikern die in den Atomfabriken mit dem tödlichen Stoff in Berührung gekommen sind, über Hunderttausenden Hiroshima- und Nagasaki-Toten bis zu den geopferten Tschernobyl-Kindern - ihre Zahl sind Legionen! Und alle diese - unschuldige! - Opfer sind uns höchstens einige Krokodilstränen wert, keinesfalls aber jene ungeheure aber scheinheilige Empörung, die ein einziger Herointoter hervorruft. Da dürfen wir uns fragen, warum uns das, was uns materiellen Nutzen bringt, eher vertretbar sein sollte, als etwas, was uns geistigen Nutzen bringt? Hier drängt sich die Frage auf, ob die Obrigkeit möglicherweise Angst vor dem geistigen Fortschritt hat?
Die Aufklärung
Hier kommt noch eine Überlegung hinzu, die den ahnungslosen Politikern, allesamt auf die Macht, auf das politische Überleben bedacht -, schon ihrer Natur nach abgehen dürfte: nicht jeder möchte nämlich unbedingt und um jeden Preis hundert werden. Mag sein, dass die Herrschaften solche Feinheiten nicht zu verstehen fähig sind(3), doch sei es ihnen versichert: manch einem ist die Qualität des Lebens wichtiger als seine Quantität. Lebensqualität definiere ich übrigens im Sinn Nietzsches, der extrem auf Erkenntnis bedacht war; also, ungefähr: besser erkennend mit fünfzig (oder noch früher) sterben, als ahnungslos hundert (oder noch mehr) werden. “Gott ist Erkennen und nicht das Sein." erkannte Meister Eckhart und Teilhard de Chardin stellt einen Satz auf, der ihm als eigentliche Existenzbedingung der Welt erscheint und den er als absolutes Bewertungsprinzip gelten lassen möchte: “Es ist besser, welchen Preis es auch kostet, bewusster als weniger bewusst zu sein.” Ein gutes Beispiel hierfür wäre R.W. Fassbinder, der sich noch als halber Jüngling mit einer gierigen Polytoxikomanie regelrecht zugrunde gerichtet hatte; freilich nicht eher er - eben dank den Drogen - ein imposantes Opus erschuf. Offensichtlich litt er an der `Krankheit`, die ich Cu Chulainn-Syndrom nenne. Diesem Helden der irischen Sage wurde prophezeit, er würde nicht lange leben. “Wenn er mich berühmt macht, dann genügt mir bereits ein Tag!” gab der Recke stolz zur Antwort.
Zu Beruhigung aber: viele Opfer sind ohnehin nicht zu befürchten. Es geht primär um die Psychodrogen und die sind - das sollte sich die Gesellschaft und vor allem ihre Anführer endlich ein für alle Male hinter die Ohren schreiben! - keine Killer-Rauschgifte.
Die Schäden aus der Drogenprohibition sind ohnehin weitaus schlimmer als die durch Drogen selbst verursachten. Schon die Zerstörung der sozialen Strukturen, die sich aus der Anwendung des inkriminierten Gesetzes zwangsläufig ergeben, wäre von einer wahrhaft humanen Gesellschaft unter keinem Umstand tragbar. Erst das BtM-Gesetz produziert das, was es zu bekämpfen vorgibt: das Drogenelend. Zivile Preise, Reinheit und Qualität des Stoffes, reale Aufklärung, kein psychischer Druck durch die Diskriminierung, und last but not least keine sensationelle Präsentation der Drogen, welche die hysterisch-hetzerischen Politikern und Medien betrieben (den eben die bringt viele Jugendlichen auf den Trip), würden den so genannten Drogenproblem abschaffen. Das heisst, die Legalisierung würde auch mit jeglicher Drogenkriminalität aufräumen. Bei zivilen Drogenpreisen gäbe es keine Anschaffungskriminalität, die Drogenprostitution würde stark zurückgehen (besonders unter ganz jungen Mädchen), und auch das, was man so primitiv `Rauschgiftverbrechermafia` nennt, würde sich im Nichts auflösen, sobald Drogen frei verkäuflich und mit Steuern belegt wären. Auch damals, als in den USA die Alkoholprohibition verworfen wurde, hörte augenblicklich jede damit verbundene Kriminalität auf.
Ein Verbot (und damit verbundene Bestrafung) ist ohnehin das primitivste Instrument der Menschenlenkung und sagt unfehlbar etwas über die geistigen und schöpferischen Qualifikationen des Verfassers aus. Wie wir gesehen haben, ist ein Verbot auch von der Effizienz her die schlimmstmögliche Solution; was eine Prohibition nicht schafft, ist, die Drogen wirksam aus dem menschlichen Leben zu entfernen - was sie auf jedem Fall bewirkt, ist, noch mehr Leid anzurichten. Oder wie Russell das sagt: “Das schlimmste Böse ist institutionalisierte Böse.”
Auf die längere Sicht gesehen würde die Menschheit mit der Aufklärung weitaus besser, ja sogar bequemer fahren, als mit den Verboten. Man schaue sich an, was uns die Geschichtsperiode, die diesen stolzen Namen trug, alles gebracht. Dank ihr haben wir die Gesellschaft tatsächlich vorwärtsgebracht - materiell, technisch, vorwärts gebracht. Dabei war die Aufklärung der Aufklärung so aufklärerisch (= lückenlos) nicht: die rein geistige Komponente des Menschseins wurde dabei sträflich vernachlässigt, obwohl es an geeigneten Aufklärern kein Mangel gab - ich denke da an Max Stirner und – vor allem – Nietzsche. Was es Drogenaufklärung geht darf man behaupten, dass sie absolut nicht vorhanden ist. Die schlimmste Nebenwirkung des BtM-Gesetzes besteht darin, dass es eine wirksame Aufklärung absolut unmöglich macht. Die Politik, Wissenschaft und Medien `klären` das Volk nur über die negativen Seiten der Drogen auf. Anderseits werden jene, die anhand ihrer Kompetenz, Qualifikation und nicht zuletzt ihres Denkvermögens auch die andere Seite der Drogenmedaille darlegen und die alternative Ansichten über Drogen vermitteln könnten, also für eine reale Aufklärung sorgen würden, zu keiner breiteren Öffentlichkeit zugelassen - siehe Leary, siehe Cooper... Die Aufklärung bedeutet auch im Fall Drogen, keine unqualifizierte, hasserfüllte Hetze, sondern Tatsachen. Die Hetze verursacht Angst und Hysterie, Aufklärung dem entgegen Kennerschaft und Respekt. Und eben die braucht der Mensch in, sowohl aktivem wie auch passivem, Umgang mit den Drogen. Wenn Kenner Drogen mit nötigem Respekt anwenden, werden sich schnell die Resultate der Drogenwirkung einstellen - eine neue Kultur. In den Drogenghettos ist die ohnehin schon zu beobachten, bisher freilich kaum mehr als ein Keim. Legalisiert und vom Druck befreit jedoch, dürften solche zarte Äusserungen einer neuen Kultur in schneller Blüte stehen, um schliesslich auch Emersons Vermutung: “Ein neuer Grad der Kultur würde augenblicklich das ganze System menschlicher Bestrebungen einer Umwälzung unterwerfen.” zu bestätigen.
Wie jede Aufklärung sollte auch die über Drogen vor allem drei wichtigste Fragen beantworten: was? wie? warum? Was Drogen sind, wie sie wirken, warum man sie benutzt. Eine Aufklärung sollte in erster Linie die Hintergründe der Drogen erhellen; das Publikum soll begreifen, was sich hinter dem Wunsch nach Stimulanzien versteckt. Um die Polytoxikomanie zu verhindern wird es notwendig sein, den Drogen ihren früheren, sakralen Status zurückzugeben; das heisst ihre Einnahme sollte wenigstens so weit ritualisiert werden, wie das für gewöhnlich der Fall mit dem Alkohol ist. Und, wohl das wichtigste, man sollte begreifen, dass Drogen vor allem als Arbeitsstimulans verwendet werden sollen; man sollte darüber belehrt werden, was mit Drogen erreicht werden kann und wie es zu erreichen ist. Kurz: man muss die Aufklärung den Menschen überlassen, die davon etwas verstehen. Das sind aber keine Politiker und ganz bestimmt keine Polizisten oder Fussballspieler und, wie ich das beobachtet habe, in der Regel auch keine Wissenschaftler.
Das alles will besagen: natürlich muss man mit Drogen umgehen können. Mit Auto jedoch muss man auch umgehen können; dafür gibt es dann Fahrschulen, die den richtigen Umgang mit der Maschine beibringen. So wird der - von bedauernswerten Ignoranten ausgelachte - Vorschlag Prof. Learys verständlich, in den Schulen den Umgang mit den Drogen zu lehren. Man überlege es sich, ob es ratsamer ist, das Volk den Drogen - mit welchen es auf jeden Fall konfrontiert wird - unvorbereitet zu überlassen, oder es darauf per effektivere Aufklärung vorzubereiten.
|